FALLING

Inhalt

Was passiert wenn man die heutige Gesellschaft auf ein simples Computerspiel reduziert? Und man selbst ist die Person, die süchtig vor dem Computer hängt! Eingezäunt in einem kleinen Labyrinth, als Pac man auf der Flucht vor Geistern, das Tempo steigt und Punkte sammeln ist Pflicht.

Kann man ausbrechen oder kann man nur aufhören zu spielen?
Diese Fragen stellt sich auch der Protagonist, welcher sich gerade in freiem Fall befindet.

Auf der Autobahn namens Leben ist er unter die Räder des Systems geraten. Er wird notdürftig aufgerichtet und fügt sich seinem Schicksal, weiter zu funktionieren. Doch zwischen seiner Arbeit, Leute abzuhören, seinen Alpträumen, Saufabenden und Schönheits-OPs, wird ihm klar: nicht er muss sich ändern, sondern sein Umfeld.

Er beginnt einen Wettlauf um Freies Denken und Handeln, abseits der vorgegeben Bahnen.

Plakativ und mit vielen scheinbar witzigen Elementen zeichnet FALLING das äußerst ernsthafte und tragische Bild eines Menschen, der Zeit seines Lebens innerhalb des Systems und sogar für das System arbeitet, nur um letztendlich zu merken, dass seine Freiheit außerhalb eben jenes Systems liegt. Zahlreiche Seitenhiebe auf weitere gesellschaftskritische Themen schmücken das Stück, welches das Leben eines ,Systemmenschen' auf das Computerspiel Pacman von 1980 reduziert. Gegen Ende der Performance wird klar, dass dieser Vergleich gar nicht so weit her geholt ist...

Unser heutiges Gesellschaftssystem ist auf Leistung ausgerichtet. Sämtliche Abläufe im Leben eines Menschen scheinen auf Effektivität hin optimiert: Geburt - Ausbildung - Karriere - Ableben! Brechen wir aus diesem System aus, hat es keine Verwendung mehr für uns. Werte wie Kreativität und Individualität sind nur erwünscht, wenn wir dadurch besser und effizienter funktionieren. Diese Werte jedoch sind es, die in den Künsten die treibende Kraft hinter jeder Produktion sind. Hinter jeder Botschaft und jedem Stück steht die kreative Energie eines Künstlers oder Künstlerkollektivs.

Die Hauptfigur Igor ist ein Mensch, der sich zu Beginn des Stückes gegen das System stellt um dann von eben jenem zur Rechenschaft gezogen zu werden. Er wird komplett zerstört. Aus den Resten seines eigenen Körpers und Ersatzteilen aus chinesischen Arbeitslagern wird notdürftig eine Kreatur zusammengeflickt. Deren einziger Zweck ist es, weiter für das System zu arbeiten und Leistung zu erzielen. Die Erinnerungen werden gelöscht und Emotionen ausradiert. Doch im Inneren ist Igor noch immer ein Mensch, in der Lage zu fühlen und zu leiden. Unter der Tyrannei des Systems befreit er seinen Geist und seinen geschundenen Körper mehr und mehr von den Zwängen des Systems und versucht auszubrechen.

Zahlreiche Fragen werden während dem Stück aufgeworfen. Viele davon werden beantwortet, doch an den entscheidenden Punkten bleibt es dem Zuschauer überlassen, der selbst eine Antwort finden muss und so vor allem zum Nachdenken über Missstände und Fehler in der heutigen Gesellschaft angeregt wird.

 

Stil

FALLING ist eine Mischung aus Bühnenperformance (Schauspiel und Tanz in Form von Breakdance, Locking und Popping) und multimedialer Installation (Videoprojektion und -Installation).

Während das tragischen Leben des Protagonisten auf der Bühne seinen Lauf nimmt und abwechselnd in schauspielerischer oder tänzerischer Manier präsentiert wird, zeigt eine Videoprojektion den erschreckend direkten Vergleich mit dem Computerspiel Pacman, in dem es nur darum geht, Punkte in einem scheinbar ausweglosen Labyrinth zu sammeln, aus dem man ohnehin nicht entkommen kann.

Als Verbindungsstück der beiden Welten fungiert ein schlicht gehaltenes Display, welches still aber stets präsent nun auch die Aktionen des Protagonisten in der scheinbar realen Welt mit Punkten belohnt, mit Punkteabzug straft oder aber still bestimmt Befehle erteilt.

Die Wahl für die Vermischung der Genres Tanz und Schauspiel ist eine künstlerische Entscheidung von Valentin, der in seinen eigenen Produktionen seine Leidenschaften Tanz und Schauspiel nicht trennen, sondern einander näher bringen will. Welches Stilmittel wo eingesetzt wird, folgt einem wohldurchdachten Konzept: Während das "reale" Leben von Igor mittels Schauspiel gezeigt wird, kommt der Tanz immer dann zum Einsatz wenn es um sein Innenleben, Träume und Emotionen geht.

Eben diese Stichworte charakterisieren auch die Tanzszenen im Stück. Es wird wenig klassisches Repertoire verwendet, vielmehr sind es individuelle Bewegungen von Valentin, wodurch diese Tanzszenen noch einmal surrealer wirken als der Rest des Stücks ohnehin.